genug

Freitag Abend. Parkplatz suchen und finden in der Nähe des Auktionshauses. Im beginnenden Regen mache ich schnelle und große Schritte durch Lücken der vielbefahrenen Straße und halte vor den mit Gemälden und Antiquitäten und Kram ausstaffierten Schaufenstern. Daran vorbei fokussiert schillert und brilliert es in den großen vollen hellen Räumen überall. Ich sehe die Häupter der Protagonisten in angeregter Unterhaltung und traue mich noch nicht ganz herein. Bin eine halbe Stunde zu früh. Mein Plan - möglichst zeitig da sein damit baldiges gehen vereinbar - scheint mir jetzt unangemessen. Also mache ich eine Regenrunde zum nahen Waldrand, bis andere Literaturfreunde zum Eingang strömen und ich mich der Willkommensreihe anschließe.
Herzliche Umarmung.
Wir haben uns etliche Monate nicht gesehen. Und heute wird sein erster Roman hier gelesen. Hier wo auch Teile der Geschichte spielen. Ein Schauspieler wird lesen.
Durch die Räume wandelnd ignoriere ich zahlreiche afrikanische Artefakte, schaue mir Gemälde und Kunstinstallationen genauer an, auch deren Etikettierung. Die Gebote starten in für mich nie vorhersagbaren Preiskategorien. Ein Glas Weißwein wird mir angeboten, ich nehme an. Der ist sehr gut, das Glas sehr voll und nebelt die Gedanken und Gefühle sogleich zu. Ein Platz noch frei neben der bekannten Galeristin und dem Goldschmied. Wilkommensworte. Der Nebel wird dichter. Dann liest der Schauspieler - und obwohl ich das Buch kenne, und auch schon gehört habe - rühren mich Teile aus meinem Nebel heraus so an, dass sich meine Augen füllen und ich angestrengt nach oben schaue um ein Übertreten zu verhindern.
Wo gehen ungeweinte Tränen hin? Gibt es Reservoires?
In der Pause renne ich beschwingt unkoordiniert zur Straßenbahn. Schreibe Lotte, sie möge bitte bei der Podiumsdiskussion einen Platz freihalten und sich auffällig verhalten. Bahnfahren ist eine verhallte Reminiszenz vergangener Tage. Mordgrundbrücke. Elbschlösser. Ausgespuckt am Albertplatz laufe ich die Alaunstraße hoch und versuche mich zu beeilen und mir einen Weg zu bahnen. Menschenmassen wie auf einem Festivalgelände. Meine frühere Hood. Und doch anders. Die Dönerläden sind Pizzaläden gewichen. Überall auch Barbershops und Haarstudios. Biosupermärkte. Manches bleibt. Die Assis vorm Konsum. Vor der Scheune spielen Straßenmusiker eine Indieversion von Beat it. Und ich möchte gern stehenbleiben, grinse, und denke daran wie ich früher, wenn ich in den Morgenstunden allein nach Hause ging, mich fühlte wie in einem Musikvideo. Heute auch.
Lotte blickt sich um nach mir im Bildungshaus. Nicht viele Interessierte. Ich nehme neben ihr Platz und flüstere ihr zu wie betrunken ich sei. Sie erzählt mir von ihrem Sex-und Lust Workshop heute, bei dem sie in eine Horde singender und rote Tücher schwingender BestAgerinnen geraten sei. Ihre große Erleichterung sei gewesen, dass ich nicht dabei war. Sonst hätte sie sich nie wieder fangen können. Da hab ich was verpasst bedaure ich - und lad sie zum Kino am Sonntag ein.
Ich denke gerne, dass die überwältigende Möglichkeit besteht, dass diese Momente genug sein können.

Inspriration

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Akutes

genug
Freitag Abend. Parkplatz suchen und finden in der Nähe...
eika - 2021/09/12 23:19
Ode ans Nachhausekommen
In welch lachhafter Zeit wir leben in der wir Körper...
eika - 2021/09/12 22:24

eika - 2021/09/04 12:41
Ocho
Mag das Wort so gerne aussprechen. Ocho ocho ocho. Wir...
eika - 2021/08/23 00:26
all in
die frage ist doch was verkläre ich wenn ich erinner....
eika - 2021/08/15 23:01

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