interna

im halben Schlaf

Das Gegenlicht zwingt meinen Kopf hinüber. Sein Blick wirft meine Verwirrung zurück und mischt seinen Zorn darunter.
Darin sehe ich auch etwas, was sich auf ewig dort einmieten wird. Ich weiß es. Tiefe Quellen abgründiger Einsamkeit und Unzugehörigkeit liegen in seinem Dunkel. Gefüttert von der ewigen Zwiesprache mit der Sinn- und Ausweglosigkeit des Lebens. Ehrlicher Atemzug bei drei.
Einmal als wär ich es wert.
Einsam vor der Welt und vor ihm selbst.
Einfältige Tugend, bezahlt mit Ideen.
Königreich aus eins.
Paul Austers Stimme flüstert mir zu: Aber wenn er doch lieben kann - so wie er dieses Mädchen liebt - dann heißt es doch, dass seine Verletzung nicht systemisch ist. Es sind klar umrissene Verwundungen in spezifischen Teilen der Seele. Die bluten nicht heraus.
Und das nimmt der existenziellen Einsamkeit des Menschseins die Schärfe. Fragezeichen. Hat mich dennoch auf dem Gewissen.
Und belässt den Kopf in den Wolken.
Intensität, Dichte und Intimität für Lebendigkeit.
Obwohl die junge Frische bald verdorben.
Vielleicht heilt die Zeit wirklich gar nichts
und ich bin der Beweis.

NOT PENNYS BOAT

wer du bist und wie du zu sein hast

Jemand der keinen Seelenfänger liebt.
Aber du tust es dennoch und schämst dich dafür.
Ein treuer Begleiter, diese Scham.
Und in dir ist doch die Frage ob diese Energie, die du auch zwei Kontinente, ja Planeten, entfernt fühlen würdest - ob diese Energie, die Gravitation nur da ist weil das Gefühl des Schämens zu deinem Leben gehört. Das muss immer irgendwo in der Ecke hocken und gemästet werden.
Und sonst ist da wenig übrig geblieben für das du dich schämen kannst. Du betrachtest dich im Spiegel hier am Morgen in diesem unbekannten Zimmer. Leichtes schwarzes Nachthemd auf sonnengeküsster Haut. Wache Augen. Alte Augen. Unter diffus blond gesträhntem Haar. Du ziehst dich aus. Die Schlüsselbeine stehen hervor. Es freut dich. Aber nein, halt.
Es darf nicht freuen. Du musst essen und weiter essen und aufhören zu zählen im Kopf. Es geht nur darum wie du dich fühlst. Dass du die Richtschnur findest. Du hast es in dir eine liebe und gerechte und zugewandte Erwachsene zu sein die gütig auf dich blickt. Das ist der Trick. Du ersetzt das was du nicht hattest.
Du hast dein Selbstsein für so lange Zeit außer Kraft gesetzt, wegen dieser Angst, dieser unüberwindlichen Angst, für immer nicht liebenswert zu sein.

Assi im Edeka / Was ich müsste / Tina Turner

Pflege und hege derzeit meinen eingeschleppten Keim. Der will mehrere mehrstündige augenverschlossene Ausruhphasen täglich, Krächzestimme, Auswurf (ja sexy!). Und gestern Abend beim Blick in den Kühlschrank der gänzlich von leeren Innenwänden zurückgeworfen wurde, wollte ich dann doch in bisschen thrill und bin aus dem Stand, wie ich war, zum Edeka geschlurft. 6 Tage die Haare nicht gewaschen, etwas an mir was schwankt zwischen Jogginghose und Schlafanzug (keine Socken!) - so eine Maske befreit ungemein von jeglichen Konventionen des sozialen Erkennens. Kurze Erheiterung beim Blick auf die Unsinnigkeiten der TchiboAuslage. Ein Fahrradlappen mit Klett (zum ans Fahrrad baumeln) für 6€. Ein Kabelbinderschloss gegen Gelegenheitsdiebstahl, 10€. Wtf - Tchibo ist das Antonym von Minimalismus! Vor dem Teeregal entdeckte ich Flecken unbekannter Herkunft auf meinem grünen MohairPulli. Gelb verkrustet . Ich tippe auf… ach ich hab einfach keine Ahnung. Mit dem nachdenken funktioniert es auch nicht so gut.

Ich müsste mehrere Stunden am Stück aufrecht sein, zumindest in sitzender Position und mich dringend für diese verpasste Vorlesung interessieren. Langsam auch stimmungstechnisch in die Arbeitsbelange reinkommen. Überweisungen machen. Die Tanten & KinderGroßeltern anrufen und über OsterAbwesenheit hinwegbügeln.
Und nach einer schlanken Lieferzeit von nur 5 Monaten ist mein Laufband gekommen. Es macht einen tollen Eindruck wie es da so heroisch und prominent im Flur thront. Ausprobieren ist grad schlecht. Soll bald ins Sommerhaus umziehen. Apropos Sommerhaus: Manü aus der Schweiz kündigte gestern Besuch an und schlug vor dort die Markise auszutauschen. Länger sei besser.
Ich sagte nix da.
Die hat er nämlich einst abgezweigt von Tina Turner. Die will regelmäßig neue blütenreine Stoffe, weil irgendwelche edlen Nadelhölzer auf ihrem Anwesen am Zürisee draufflecken. Und beim elektrischen Ein- und Ausfahren der nicht wirklich angeharzten Stoffbahnen (mit Windsensor!) summe ich gern ihre Hits.
Er meinte dann ich sei eine Dekadenzqueen.
Das verbat ich mir und sagte er soll bloß keine Schoki mitbringen wenn er kommt - dann würde es ganz ganz düster in unserer deutsch schweizerischen Befreundung.
Er revidierte daraufhin auf kompromisslose Ästhetin.
Da kann ich mit leben. Gerade nach Rückkehr als EdekaAssi.
Also weiter ausruhen, vielleicht mal Haare waschen. Mich übers Laufband freuen. Langsam ankommen wieder im Leben nach vier Wochen raus sein.
Bleibt nur noch zu fragen: What‘s love got to do with it?

Baum

Sein Kopf auf dem Kissen als er eingeschlafen ist. Schwindendes Sonnenlicht tanzt im roten Bart.
Ihm gegenüber ist das Herz geöffnet wie ein Nadelöhr.
Und woanders hin gerichtet ist es weit wie ein Scheunentor, durch das keiner kommen mag aber so allerhand Unrat weht hinein und haftet in den Ecken.
Ich bin sein Glück sagt er. Unverdient und nicht stetig genug denke ich. Ich weiß nicht mehr ob er meines ist.
Aber wenn er Güte und Gutes und Schönheit in mir sieht dann nicht weil es da ist sondern weil dies tief in ihm angelegt ist, und herauskommt und abstrahlt, Pfade findet, und mich übergießt wie das erstes Sonnenlicht am Morgen.
Ich schließe das Scheunentor.
Und heute hab ich Amseln gesehen, viele. Sie flogen über mich, geschäftig. Wohl Nester bauend. Oder sie tun so als bauen sie, mit falschem Material im Schnabel lockend, das heißt Scheinnisten.
Ich denke ich werde nun langsam ein Baum.
Bin wieder zu Hause.

Erwachsenengesten

Das Blut, welches zu schnell durch die Adern fließt, ist Angst zu sterben ohne gelebt zu haben.
Was wird aus den Vorstellungen wie man lebt und liebt und was geleistet werden muss, WER MAN IST, damit das Leben so ist, das man einverstanden wäre?
Und ich denke in/bei/an anderen Menschen, Menschen der Vergangenheit, lassen wir Dinge zurück. Manchmal finden wir diese Dinge wieder wie wir diese Menschen wiederfinden. Bei der Rückkehr ist manches willkommen und erhaben und vermisst doch wohl der Großteil ist zäher Schleim, den abzustreifen jeder Verlust wert war. Dieses Zurückkehren - sei es eine Reise zu entfremdeten Freunden, verbindenden Orten oder verlorenen Lieben - oder nur ein zu langer Besuch bei den Eltern - bringt Selbstbilder ins wanken.
Und wenn es wirklich so ist, das alles was wir tun aus Angst vor Einsamkeit getan wird, dann ist doch Verzicht wichtig um späterer Reue, späterer Einsamkeit vorzubeugen. Diese Entscheidungen sind leise und ohne Scherbenhaufen, ohne Kieselsteine die nachts an Fenster geworfen werden, ohne Orchester. Das sind wohl diese Erwachsenengesten nach denen ich suche.
Aber gleichsam bin ich doch nichts ohne Geheimnisse und Wünsche und Gedanken, die ich nicht teile. Ein inneres Königreich ohne Zutritt. Ein Schatz den es zu hüten gilt - kindliches Festhalten an absurden Träumereien, Hinwendungen und selbstgefälligen Unsinnigkeiten.

Und wenn es auch - wie ich glaube - richtig ist, dass Intimität das letzte Heiligtum ist, dann will ich Verehrung und Wertschätzung suchen und geben und erleben und nicht mit weniger zufrieden sein. So vermute ich neben den leisen Erwachsenengesten und Bausparverträgen, Zahnversicherungen und Rentenpunkten doch auch Versuche von Intimität - aber auch Unterlassungssünden die verweisen auf mein juveniles, immatures Jenseits der gutbürgerlichen Gefühlshorizonte.

mother issues

Als noch kleines Kind verglich ich zwanghaft die untere Gesichtshälfte meiner Mutter mit der anderer Mütter. Fremden wie bekannten. Die Kontur meiner Mutter war straff definiert, geradlinig und schön. Da gab es kein herumdeuteln in der Zuweisung der Körperareale Kinn, Hals & Gesicht. Ihre Proportionen fügten sich der nach Harmonie trachtender Handschrift italienischer Renaissance Bildhauer in unumstößlicher Klarheit, Symmetrie und Ausgewogenheit.
Bei sorgsamer Betrachtung fiel mir auf: die Übergänge andere Mütter sind häufig weit weniger moduliert, manchmal fleischig oder wulstig oder runzelig oder schlicht nicht vorhanden - es ging direkt von Gesicht in den Hals über. Manchmal ging auch, im Profil betrachtet, Hals in schräger Verbindung direkt in Kinn über. Für mich standen diese undefinierten Linien in ihrer Ästhetik weit hinter denen die meine Mutter aufwies.
Ich ertappe mich auch heute noch dabei Kinnlinien von Müttern mit Kindern in einem gewissen Alter zu klassifizieren. Diese reichen meist noch immer nicht an das mütterliche Vorbild heran, welches ich, den 90ern entwendet, im Kopf habe.
Zustandekommen und Widerhall des kindlichen Gesichtsfetisch irritieren mich. Es muss aber wohl relativiert werden in Anbetracht des globalen Schönheitsgefühles aller Kinder gegenüber ihren Müttern und des Fakts, dass mein infantiler Kopf wohl schon damals elsterhafte Tendenzen hatte und Schönes und Funkelndes suchte..

kalte Füße

Ich besitze und besaß keine eigenen Strümpfe.
So lang ich denken kann nutzte ich einfach die männlicher Strumpfbesitzender mit. Das waren zuerst die von Papa (eine der milderen Formen der Deprivation) und später die der Mitwohnenden oder jene zu denen ich Zugang hatte.
Meistens waren das schwarze Baumwollsocken mit dünnem Strickbündchen - immer etwas groß, wie ich es mag - selten Tennissocken, oft Arbeitssocken mit verstärkter Fersen- und Zehenpartie, manchmal auch so dünne lapprige, manchmal stand L und R darauf, manchmal waren gelbe Streifen drauf, ungern waren es solche Kurzsocken.
Wenn es mal keinen Zugriff gab, in Zeiten ohne signifikanten Sockenbesitzer, wurde es schonmal eng oder voller löchriger Altlasten.
Sehr entlastend ist aber, dass ich das Konzept von Hosen und flachen Schuhen und Übergangskleidung nicht lebe. Also bin ich meist in der unteren Hälfte komplett be(woll)strumpfthost oder jahreszeitlich frei. Situationen die allerdings kein sockenloses Bekleidungsschema zulassen: Sport, Schlittenfahren, längere Radtouren, Wanderausflüge in der Mittelgebirgsklasse, Frauenarztbesuche, Geburten.
Nie wurde das Strumpfschmarotzen heimlich oder in böser Absicht ausgeübt oder traf auf Widerstand. Es gab auch kein Kalkül ab wann nun Sockendauerausleihen schicklich ist.
Warum ich mir noch nie selbst Socken kaufte, ich weiß es nicht. Womöglich ist das ein langgestreckter übertragener Ödipuskomplex, womöglich Faulheit, vielleicht falscher Geiz, vielleicht sind Socken mir aber auch einfach zu profan. Oder es ist eine Verbundenheit, die sich woanders nicht zeigen kann, nicht im Herzen, nicht im Kopf, nur am ganz anderen Ende des Körpers. Aber derzeit möchte ich eigenen Strümpfen auch gar kein Platz machen im Leben und Einkaufsverhalten und im Schrank auch nicht – denn der ist ja schon voller schöner Kleider.

stay in track

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Alles ist Körper

Die gefeierte B O D Y P O S I T I V I T Y - Bewegung kommt ohne den Körper nicht aus. Die Zentrierung von idealen Körpern soll durch die Zentrierung auf nichtideale Körper abgewendet werden. Heißt: dicke und/oder Durchschnittsfrauen zeigen sich freizügig aus allen Winkeln. Und Tausende projizieren all ihre Unsicherheiten über jedes noch so kleine Manko an ihrem Körper auf diese Fotos und bewundern, kommentieren und liken und sagen wie schön und mutig die Frau ist. Schön mit ihrer ausufernden Konvexität oder unüblichen Konkavität und den golden gemalten Schwangerschaftsstreifen, den Runzeln und Narben, zur Schau gestellte Fettreserven und außerdem heißt es dass sie "durch Aussehen inspirieren" - Also wieder Bewertung, wieder Vergleich. Wieder Subjekt. Körper als zentrales Medium für Selbstbewusstsein und Menschenwert. Ich bin mein Körper.
Gewöhnen sich so die Augen an Makel? Vielleicht. Aber dies ist nicht der Boden für gesünderen Umgang, ich seh das nicht. Das ist vorallem ein Markt um zu verkaufen. Angepriesenes healthy mind set, da helfen Duftkerzen und schöne Gegenstände in der Wohnung und natürlich plussizeMode von Zalando. Weiter Kampf mit dem Körper.
Dabei muss Körper neutral sein - ich weiß das ist Utopie. Aber darin will ich, genauso mankobesessen, leben. Ich will kein Gewicht/Aussehen betiteln und auch nicht, dass meines thematisiert wird. Und ich will mir nicht erzählen lassen wie marginalisiert/wunderschön/achtenswert Dicksein ist.
Körper ist Biologie. Und grad bin ich überhaupt nicht positiv mit diesem Körper. Ich spüre ihn, wie er mir seine Weiblichkeit mit voller rhythmisierter Härte beweisen will. Der Körper will Babys machen - will mir zeigen, dass er das kann, weiß wie es geht. Im Leib ein dicker Knoten aus Stahlseil, geflochten aus 1000 Drähten. Der Knoten wird fester und lockert und zieht dann wieder zusammen, dabei reißen schmerzhaft einzelne Drähte, fransen aus mit Widerhall im leeren Uterus. Die Brüste groß und schwer und schmerzend. Sieh her, fühl es: ich bin der Quell des Lebens, ganze Garnisonen sollen sich daran laben.
Bisher kein Thema für Influencer. Vielleicht brauchts da noch ein passendes Produkt zu. Oder ich muss erst in die richtige Altersschicht kommen. Oder einfach rote Herzen draufmalen und Fotos machen.
Der Körper soll mich mit diesem Mist in Ruhe lassen. Ich bin nicht mein Körper. Mein mindset ist jedenfalls eher self-weakening, mentale Unachtsamkeit und zelebrierte bodynegativity. Ich druck T-shirts.

Inspriration

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Akutes

Willkommen
Willkommen im semantischen Horizont einer Teetasse...
eika - 2021/07/30 15:12
connect
Freunde verschiedener Bereiche schicken viele ewig...
eika - 2021/07/30 14:03
bad behaviour
Born of fear Not out of unkindness but controlled by...
eika - 2021/07/30 13:58
Bankrott
Und er sagt: Ich habe vor einiger Zeit versucht damit...
eika - 2021/07/30 13:46
im halben Schlaf
Das Gegenlicht zwingt meinen Kopf hinüber. Sein Blick...
eika - 2021/07/23 08:58

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